Festgottesdienst mit Parodiefassung BWV 207

Festgottesdienst mit Parodiefassung BWV 207

Festgottesdienst

Rudolf Lutz und Anselm Hartinger werden die Version BWV 207hl mit gegenwartsbezogenem Potential des historischen Parodieverfahrens am Festgottesdienst zum Abschluss des diesjährigen Festivals zur Aufführung bringen.

Datum, Zeit & Ort:

Sonntag, 25. August 2021
10:00 Uhr
evangelische Kirche Teufen AR

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Die Kantate BWV 207 «Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten» wird am Freitag, 23. August 2024, aufgeführt.

Eintrittspreis:

Eintritt frei, Kollekte

Für die Kantatenaufführung im Rahmen des diesjährigen Festivals wurde Bachs weltliche Gratulationsmusik «Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten» (BWV 207) ausgewählt. Diese 1726 anlässlich der Berufung des Leipziger Juristen Kortte beauftrage Komposition gehört zu den klangprächtigsten und auch textlich interessantesten seiner Leipziger Zeit, da sie im Libretto den Wettstreit von Fleiß, Ehre, Dankbarkeit und Glück verhandelt und damit auf vergnügliche Weise auch Einblicke in Bachs eigenes Schaffensethos gewährt. Vor allem aber führt das Material dieser Kantate mitten in Bachs kompositorische Werkstatt und da-mit in das Kernthema der diesjährigen Bachtage. So stellt bereits ihr Eingangschor eine aufwendige Neubearbeitung des dritten Satzes aus Bachs 1. Brandenburgischem Konzert dar, und neben weiteren Zitaten daraus gehört zum Quellenmaterial der von Bach 1735 nochmals für eine Fürstenhuldigung umgearbeiteten Kantate noch eine schwungvolle «Marcia».

Diese reife Leipziger Komposition erfährt im Zuge des Festivals eine weitere Transformation erfahren, die sinnbildlich für den zugleich tiefgründig-forscherischen wie kreativ-neuaneignenden Umgang der Ensembles der J. S. Bach-Stiftung mit dem Musikwerk des Meisters und das Augenmerk steht, das hier den Textvorlagen der musikalischen Kompo-sitionen entgegengebracht wird. Während es mittlerweile zahlreiche Rekonstruktionen verschollener oder unvollständige überlieferter Musikstücke Bachs gibt, ist die gänzliche Neutextierung und entsprechende Umarbeitung einer ganzen weltlichen Kantate noch kaum je gewagt worden. Genau dieser mit dem Wort Parodieverfahren eher provisorisch beschrie-bene Vorgang ist aber so zentral für den Bach‘schen Schaffensprozess, dass sein praktischer Nachvollzug ganz neue Erkenntnisse über die Genese und die Besonderheiten von Bachs Kirchenwerken verspricht. Wie komplex oder auch ökonomisch ging Bach bei diesen in der Romantik noch heftig kritisierten, tatsächlich jedoch höchst sorgfältig angefertigten Umar-beitungen tatsächlich vor? Wie autonom waren seine Textdichter bei der sprachlichen Neuaneignung? Wie weit liess sich das emotionale Potential einer bestimmten Arie oder ei-nes vorliegenden Chorsatzes durch eine Neutextierung ausreizen oder auch verschieben? Welche Kriterien leiteten Bach womöglich, wenn er in seinem Notenschrank nach passenden Vorlagen und Ergänzungen suchte? Was bedeutete es für ihn, wenn er in ein bestehendes Satzgerüst hinein neue Rezitative komponierte?

Auf diese Fragen werden auf experimentelle Art und Weise Antworten gesucht, wenn im Rahmen der Bachtage die weltliche Kantate BWV 207 eine neue geistliche Textfassung und erweiterte Werkgestalt erhält. Rudolf Lutz und Anselm Hartinger werden dabei in die Rollen des Komponisten und Textdichters schlüpfen. Sie werden ihren gemeinsamen Weg hin zu einer neuen Kantatenfassung in einer der vier Akademien praktisch demonstrieren sowie die Version BWV 207hl mit gegenwartsbezogenem Potential des historischen Parodieverfahrens am Festgottesdienst zum Abschluss des diesjährigen Festivals zur Aufführung bringen.